• Michaela Boehme

Chinas Öffnungspolitik auf dem Prüfstand


Blick auf den ausgetrockneten Jialing-Fluss bei Chongqing
© Xinhua, Pekingnology | Shenzhen vor und nach der Reform- und Öffnungspolitik

 

Zheng Yongnian: China hat keinen Grund, die Öffnungspolitik in Frage zu stellen [1]

Übersetzt von Michaela Böhme

 

Anmerkungen zum Text


Lange Zeit galt in China ein unbestrittener Grundsatz: Offenheit ist die Grundlage für Chinas wirtschaftliche Entwicklung. Erst die Öffnungspolitik seit den 1980er Jahren und die damit einhergehende tiefe Integration in die Weltwirtschaft habe den Aufstieg des Landes ermöglicht – so war man sich einig.


Doch es scheint, dass dieser Grundsatz zunehmend in Frage gestellt wird. Seit 2018 tobt ein Handelskrieg zwischen China und den USA, der zur schrittweisen Entflechtung beider Volkswirtschaften führt. Gegenseitige Investitionen stehen auf dem Prüfstand, an den US-Börsen gelistete chinesische Unternehmen müssen um ihre Zulassung auf ausländischen Finanzplätzen bangen. Ein dualer Wirtschaftskreislauf soll bei gleichzeitiger Förderung des Exports den internen Markt stärken, Lieferketten nach China zurückholen und technologische Abhängigkeiten vom Westen reduzieren.


Auch die nun bereits fast drei Jahre dauernde Zero-Covid-Strategie der chinesischen Regierung hat Spuren hinterlassen. Zwischenmenschliche Kontakte mit dem Ausland sind auf ein Minimum reduziert – sei es im Bereich der Wirtschaft, Bildung oder Politik. Harte Einreisebeschränkungen sorgen dafür, dass sich nicht nur die Zahl der in China anwesenden „Ausländer“ dramatisch verringert hat, sondern auch immer weniger Chinesinnen und Chinesen ihr Land für Urlaubs- oder Geschäftsreisen verlassen können.


Ein kürzlich von der Chinesische Akademie für Historische Forschung veröffentlichter Artikel hat die Spekulation darüber weiter angeheizt, ob sich China nun auch in der Theorie vom Prinzip der Öffnungspolitik verabschiedet hat. In dem Artikel stellt ein anonymes Autorenkollektiv die bislang gültige These in Frage, dass die Abschottungspolitik der Ming- und Qing-Kaiser letztendlich für den Niedergang des kaiserlichen Chinas verantwortlich gewesen sei. Statt „Abschottung“ spricht der Artikel von „Selbstbeschränkung“, die notwendig gewesen sei, um Chinas nationale Interessen zu wahren und das Reich vor ausländischen Invasionen zu schützen.


Für viele Chinesinnen und Chinesen sind die Parallelen zur aktuellen Situation unverkennbar, und so hat sich eine heftige Diskussion entspannt. Denn viele Menschen – besonders aus der urbanen Mittelschicht und dem liberalen Intellektuellen-Milieu stehen einer Abschottung ausgesprochen kritisch gegenüber. Zu sehr haben sie materiell und intellektuell von der Reform- und Öffnungspolitik der letzten Jahrzehnte profitiert.


So auch Zheng Yongnian (郑永年), Gründungsdirektor und Professor am Institute for International Affairs der chinesischen Universität von Hongkong in Shenzhen. Mit Studien- und Lehraufenthalten in Princeton, Singapur und Nottingham steht Zhengs Lebensbiografie stellvertretend für die neuen Möglichkeiten, die Chinas Öffnungspolitik der urbanen Mittelschicht bot.


Sein Text, erschienen auf der WeChat-Seite des Guangzhou Institute of GBA (Greater Bay Area of Guangdong, Hong Kong, and Macau) sowie auf der Publikationsplattform Aisixiang (爱思想), mutmaßlich als direkte Antwort auf den Artikel der Chinesische Akademie für Historische Forschung zu verstehen, ist ein flammendes Plädoyer für die Öffnungspolitik und die Vorteile der Globalisierung.


Interessanterweise sieht Zheng die westlichen Staaten unter Führung der USA als Triebfeder hinter den aktuellen Tendenzen von Deglobalisierung und Entkoppelung. Chinas Abschottungsimpuls und eine zunehmende nationalistische Rhetorik seien „verständliche“ Abwehrreflexe gegen die zunehmende Einhegung Chinas durch den Westen, so Zheng. Dennoch sei gerade jetzt ein Festhalten an der Öffnungspolitik nötig, weitsichtiges Agieren ohne Emotionen sei gefragt. Für Zheng, so der Eindruck, steht China an einem Scheideweg und die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte auf dem Spiel.


 

China hat keinen Grund, die Öffnungspolitik in Frage zu stellen

Zheng Yongnian



China ist heute mit Veränderungen konfrontiert, wie es sie seit hundert Jahren nicht mehr gegeben hat. Die internationale Situation hat sich dramatisch verändert, von der Globalisierung, wie wir sie seit der Reform und Öffnung Chinas kennen, hin zu einer Deglobalisierung. Triebfeder der Deglobalisierung ist der gleiche Westen, der früher die Globalisierung angetrieben hat.


In der Vergangenheit waren Chinas Reform- und Öffnungspolitik und die Globalisierung zwei sich gegenseitig bedingende und verstärkende Kräfte, die Hand in Hand gingen. So ist es China gelungen, in nur 40 Jahren eine Entwicklung durchzumachen, für die die großen westlichen Länder rund anderthalb Jahrhunderte brauchten.


Diese Situation ist jedoch heute so nicht mehr gegeben. Der Westen treibt nicht nur die Deglobalisierung an, sondern unternimmt auch große Anstrengungen, um sich von China zu entkoppeln und damit Chinas weiteren Aufstieg, ja sogar die Entwicklung der chinesischen Moderne selbst zu behindern.


Die vom Westen losgetretene Deglobalisierung hat weitreichende Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft mit ihrer tiefen Einbettung in die Weltwirtschaft. Angesichts des Drucks des Westens wachsen nationalistische und populistische Gefühle innerhalb der chinesischen Gesellschaft. Gegenattacken auf den Westen nach dem Muster „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ nehmen zu.


Es mehren sich auch Stimmen, die Chinas Öffnungspolitik in Frage stellen. Mit dem Verweis auf die Strategie der „Zwei Kreisläufe“ argumentieren diese Stimmen fälschlicherweise, dass der „externe Kreislauf“ nicht mehr wichtig sei und das Land so schnell wie möglich zum „internen Kreislauf“ übergehen sollte. Selbst in akademischen Kreisen gibt es Versuche, die Isolationspolitik Chinas unter der Ming- und Qing-Dynastie zu rechtfertigen.


Solche und ähnliche Stimmen sind eine Reaktion auf den Westen, wie sich leicht verstehen lässt. Wenn jedoch die Reaktionen auf die Veränderungen des äußeren Umfelds zu heftig werden und irrationale Emotionen überhandnehmen, wird sich der Prozess der Abkopplung Chinas vom Westen zwangsläufig beschleunigen. Sollte sich die Ideologie der Abschottung durchsetzen, besteht das Risiko, dass China wie bereits in der Vergangenheit seine Türen wieder schließt.


Geschichte ist nicht unvermeidlich. Der Glaube, dass Offenheit eine historische Notwendigkeit darstellt, kann sich schnell als falsch herausstellen.


Wir glauben, dass der Reformprozess der letzten Jahrzehnte von Offenheit geprägt war, dass die großen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte durch Offenheit geschaffen wurden und dass die Entwicklung der letzten Jahrzehnte von Offenheit angetrieben wurde. Trotz der starken Veränderungen des internationalen Umfelds gibt es für uns keinen Grund, unseren Glauben an die Öffnungspolitik in Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil, in einer Zeit, in der sich der Westen der Deglobalisierung verschrieben hat, sollten wir uns weiter öffnen, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, die wirtschaftliche Zukunft des Landes zu gestalten und einen zentralen Platz auf der Weltbühne einzunehmen.


Angetrieben von Industrialisierung sowie der Verbreitung von Technologien und Ideen haben die Verflechtungen unter den Volkswirtschaften der Welt in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Bis heute gibt es keine Volkswirtschaft, die sich in vollkommener Autarkie entwickelt hat. Und so zogen wir in den 1980er Jahren die Schlussfolgerung aus den Lehren der Geschichte: „Wer sich verschließt, fällt zurück, und wer zurückfällt, wird besiegt.“ Diese Schlussfolgerung kann als allgemeingültig bezeichnet werden.


Der Merkantilismus wird von manchen als Argument für eine positive Korrelation zwischen Abschottung und Entwicklung angeführt, doch diese Argumentation ist höchst problematisch. Obwohl die meisten Länder, mit Ausnahme des Mutterlands der Industrialisierung, Großbritannien, in ihrem frühen Entwicklungsstadium eine Phase des Merkantilismus durchlebten, bestand der Zweck des Merkantilismus nicht darin, sich abzuschotten, sondern besser für eine Öffnung gerüstet zu sein.


In der Praxis geht es dem Merkantilismus um die Förderung der eigenen Unternehmen. Dabei ist auch wichtig zu erwähnen, dass merkantilische Länder versuchten, von fortschrittlicheren Ländern zu lernen. So waren zum Beispiel die im Vergleich zu Großbritannien rückständigen kontinentaleuropäischen und nordamerikanischen Staaten bestrebt, einerseits Handelsprotektionismus zu betreiben und andererseits von Großbritannien zu lernen. Durch das Lernen wurden lokale Unternehmen gefördert, die sich, nachdem sie einen gewissen Grad an Wettbewerbsfähigkeit erlangt hatten, den anderen Industrieländern öffneten. Gleichzeitig öffneten sich diese Staaten auch in der Phase des Merkantilismus gegenüber weniger entwickelten Ländern mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit.


Ein Vergleich zwischen dem US-Block und dem Sowjet-Block zur Zeit des Kalten Kriegs zeigt: Offenheit befördert wirtschaftliche Entwicklung, Abschottung führt zu Rückständigkeit. Der Sowjetblock hatte eine Planwirtschaft und innovierte selbst hinter verschlossenen Türen. Obwohl die Sowjetunion in den ersten Jahren des Kalten Krieges viel erreichte, unterlag sie letztlich dem westlichen Block unter Führung der Vereinigten Staaten. Darüber hinaus gilt, dass die frühen Errungenschaften der Sowjetunion auf westlicher Technologie beruhten.


In jüngster Zeit hat sich Russland sehr um eine Integration in den Westen bemüht, und seine Führungselite hat den Westen nur selten abgelehnt. Das größte Merkmal des Sowjetblocks war seine mangelnde Offenheit. Ohne Offenheit konnte kein freier Markt für Ideen geschaffen werden, und ohne den Austausch von Ideen gab es keine Innovation – das System wurde im Laufe der Zeit immer starrer.


Gleichzeitig gibt es ohne Offenheit keinen Warenmarkt. Die Freizügigkeit von Kapital, Technologie, Arbeitskräften und Humankapital kann nicht erreicht werden. Die größte Eigenschaft des westlichen Blocks, angeführt von den Vereinigten Staaten, ist Offenheit. Die Offenheit hat einen riesigen Markt der Ideen geschaffen, auf dem verschiedene Ansichten aufeinanderprallen und die Innovation fördern. Zugleich bedeutet Offenheit die Bildung eines Marktes für Waren. Dieser Markt existiert nicht nur zwischen westlichen Ländern, sondern erstreckt sich auf alle Ecken der Welt, da Kapital, Technologie und Talente in nicht-westliche Länder fließen. Während des Kalten Krieges wurden Japan und die „vier asiatischen Tigerstaaten“ in den westlichen Markt integriert und erreichten so eine rasche wirtschaftliche Entwicklung.


China wie wir es heute kennen ist ein Produkt der Reform- und Öffnungspolitik. Diese Politik hat China zu einem aktiven Teilnehmer an der Globalisierung gemacht, wobei sich die Globalisierung und Chinas Öffnungspolitik gegenseitig vorangetrieben und gestärkt haben. Um es auf den Punkt zu bringen: die Globalisierung und die Öffnungspolitik haben das heutige China geschaffen.


Konkret äußert sich dies in folgenden Punkten:


Erstens hat die Globalisierung zur raschen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas beigetragen. Noch in den frühen 1980er Jahren war China ein sehr armes Land, doch durch die Reform- und Öffnungspolitik wurde aus einem armen Land die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, wurde China von einem geschlossenen Markt zur größten Handelsnation der Welt, konnte sich das Land von einer „proletarischen“ zu einer Gesellschaft „mäßigen Wohlstands“ und mit einer Mittelschicht von 400 Millionen Menschen entwickeln.


In den letzten 40 Jahren haben wir die absolute Armut beseitigt – ein Phänomen, das China seit Jahrhunderten plagt. Dabei haben die 800 Millionen Menschen, die in China aus der absoluten Armut befreit wurden, zu mehr als 80 Prozent der weltweiten Armutsbekämpfung beigetragen.


Ob es sich um die zweitgrößte Volkswirtschaft, die Mittelschicht mit 400 Millionen Menschen, die Befreiung von 800 Millionen aus der Armut oder das Wachstum des Pro-Kopf-BIP von weniger als 300 US-Dollar auf 12.000 US-Dollar (bis Ende 2021) handelt: alle Errungenschaften Chinas der vergangenen 40 Jahren seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik sind weltgeschichtliche Wirtschaftswunder. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es für uns ohne die Öffnungspolitik und Globalisierung schwierig gewesen wäre, diese Erfolge zu erzielen.


Zweitens hat die Globalisierung die rasche Urbanisierung Chinas vorangetrieben. Vor 40 Jahren war Shenzhen ein kleines Fischerdorf, doch heute ist es eine Metropole mit rund 20 Millionen Einwohnern. Dongguan, das in den 1980er Jahren eine Kreisstadt mit einigen Millionen Einwohnern war, ist heute auf über 10 Millionen Menschen angewachsen. Die Globalisierung ist Triebfeder der Urbanisierung, denn letztere besteht nicht nur aus dem Errichten von Hochhäusern. Urbanisierung braucht Industrialisierung und muss durch Industrie gestützt werden, ansonsten ist es keine richtige Urbanisierung. Der Aufstieg von Metropolen wie Shenzhen, Dongguan und Guangzhou ist eng mit der Globalisierung verbunden.


Wir sollten jedoch beachten, dass die Globalisierung auch negative Auswirkungen hat. Der Aufstieg der Städte am Perlflussdelta fiel mit dem Niedergang des "Rust Belt" in den Vereinigten Staaten ab den 1980er Jahren zusammen. Die Region der Großen Seen mit ihrem Zentrum Detroit besaß zuvor eine starke Automobilindustrie. Die Globalisierung kann daher auch globale Nivellierungsphänomene hervorrufen, die zu einer Verlagerung von Industrien aus entwickelten in weniger entwickelte Länder führen. Wenn eine Stadt ihre Industrien verliert, wird sie unweigerlich schwächer, wie uns die Erfahrung aus den USA zeigt. Dies ist etwas, worauf auch wir im weiteren Prozess der Globalisierung achten sollten.


Die Globalisierung hat drittens die Verbreitung und Anwendung westlicher Technologie in China vorangetrieben. Sie ermöglichte den freien Fluss von Kapital, Technologie, Humanressourcen und Arbeitskräften auf der ganzen Welt. Wir sollten anerkennen, dass die Globalisierung entscheidend dafür war, dass wir westliche Technologien und insbesondere Technologien aus den USA einsetzen konnten.


Das Perlflussdelta hat sich in nur wenigen Jahrzehnten zu einem weltweiten Produktionsstandort entwickelt, und dies ist untrennbar mit der Verbreitung westlicher Technologie verbunden. Unsere industrielle Entwicklung der letzten Jahrzehnte beruhte hauptsächlich auf der Anwendung von Technologien aus den USA und anderen westlichen Ländern.


Wir sollten auch erkennen, dass sich das in den 1980er Jahren entstehende Label „Made in China“ von anderen solchen Labels unterscheidet. Vor den 1980er Jahren bezog sich der Begriff „Made in Germany“ auf die Herstellung ganzer Produkte. Der Begriff „Made in China“ hingegen bedeutet, dass nicht das gesamte Produkt in China hergestellt wurde, sondern dass es „in China zusammengebaut“ wurde. Verschiedene Teile eines Produkts werden in unterschiedlichen Volkswirtschaften hergestellt, in China zusammengebaut und dann in die ganze Welt exportiert.


Die Globalisierung hat zur internationalen Arbeitsteilung und zur Bildung globaler Industrie- und Lieferketten geführt und dabei auch die Entwicklung im Perlfluss- und Jangtse-Delta maßgeblich beeinflusst.


Viertens hat die Globalisierung zum Aufstieg von Privatunternehmen beigetragen. Chinas Privatunternehmen sind unterschiedlichen Ursprungs. Die erste Gruppe von Privatunternehmen – bekannt als Chinas „Millionen-Dollar-Haushalte“ entstand in den 1980er Jahren beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft.


Eine zweite Gruppe von Privatunternehme entstand in den 1990er Jahren aus der Umstrukturierung von Staatsbetrieben. Um der WTO beizutreten, privatisierte der Staat auf Drängen des damaligen Premierministers Zhu Rongji eine große Zahl ineffizienter staatlicher Unternehmen, insbesondere auf Kreis- und Provinzebene. Diese Umstrukturierung wurde so zur zweitgrößten Quelle für private Unternehmen.


Ausländische Investitionen bilden den dritten Ursprung für das Entstehen privater Unternehmen. Nach der „Südtour“ Deng Xiaopings begann viel ausländisches Kapital nach China zu strömen. Aufgrund der institutionellen Beschränkungen staatlicher Unternehmen zogen es die meisten ausländischen Investoren vor, mit chinesischen Privatunternehmen zusammenzuarbeiten, was für den Aufstieg des privaten Sektors in China eine große Rolle spielte.


Fünftens: Die Globalisierung hat Chinas demografische Dividende freigesetzt. Wirtschaftswissenschaftler argumentieren häufig, dass Chinas rasante Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor allem auf seine demografische Dividende zurückzuführen. Diese Ansicht ist jedoch unzutreffend. Die Erfahrung zeigt, dass nicht jedes Land mit einer demografischen Dividende in der Lage ist, eine wirtschaftliche Entwicklung zu erreichen. China mag bereits vor Beginn der Reform- und Öffnungspolitik eine demografische Dividende gehabt haben, konnte von dieser jedoch nicht profitieren. In den frühen 1980er Jahren wurde die Familienplanungspolitik ja gerade deshalb eingeführt, weil das Wirtschaftswachstum nicht mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt halten konnte. Nach der Reform und Öffnung führte die Globalisierung zu einer massiven Industrialisierung und Urbanisierung. Erst dadurch konnte die demografische Dividende ihr Potential entfalten.



 

[1] 郑永年:中国没有任何理由改变对外开放的国策, veröffentlicht online am 14.09.2022 auf der WeChat-Seite des des Guangzhou Institute of GBA unter https://mp.weixin.qq.com/s/qMzbCmbIESkiRFOF6-XEkw