• Michaela Boehme

Leben im Lockdown


Jilin Lockdown
© Xinhuanet | Helfer in Jilin packen Gemüsetüten für Anwohner im Lockdown

 

Lü Meng, "Stadt im Lockdown: Corona-Tagebuch eines Gesundheitshelfers aus Jilin" [1]

Übersetzt von Michaela Böhme

 

Anmerkungen zum Text


Seit Ausbruch der Corona-Pandemie in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan im Dezember 2019 verfolgt die chinesische Zentralregierung eine strikte Null-COVID-Strategie. Harte, schnelle und lokale Lockdowns – zum Teil auf der Ebene einzelner Stadtbezirke oder gar einzelner Häuserblocks – in Kombination mit Massentests sollen die Ausbreitung des Virus im Land verhindern und einer Überlastung des Gesundheitssystems entgegenwirken.


Mit 13.343 offiziell gemeldeten Corona-Toten schneidet das Land im internationalen Vergleich bei der Eindämmung der Pandemie sehr gut ab [2] – ein Umstand, der von der Führung auch gerne dazu verwendet wird, die Vorzüge des chinesischen Staats- und Regierungsmodells gegenüber dem Westen hervorzuheben.


Doch mit der sich rasend schnell verbreitenden Omikron-Variante scheint das chinesische Pandemiemanagement zunehmend an Effektivität zu verlieren. In immer mehr Regionen werden Ausbrüche gemeldet, auf die lokale Behörden mit Massentests und strikten Ausgangssperren reagieren, jedoch ohne bislang augenscheinlich die weitere Ausbreitung der Omikron-Variante im Landesinneren stoppen zu können.


Neben dem chinesischen Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghai sind aktuell die Provinzen Guangdong im Süden, Shandong im Osten und Jilin im Nordosten am härtesten betroffen. In der Millionenstadt Jilin in der gleichnamigen Provinz war praktisch den kompletten Monat März über das öffentliche Leben lahmgelegt, während Shanghai Ende März eine viertägige Ausgangssperre in zwei Stufen ankündigte, die jedoch angesichts weiter steigender Infektionszahlen auf unbestimmte Zeit verlängert wurde. Auch Metropolen wie Changchun, Shenzhen oder Guangzhou sind von Lockdowns betroffen.


Zur Stilllegung kompletter Großstädte und dem millionenfachen Testen innerhalb kürzester Zeiträume sind die Lokalregierung auf die Mobilisierung großer Mengen medizinischen Personals und freiwilliger Helfer angewiesen. Aufgeteilt in kleine Einheiten und in Zusammenarbeit mit sogenannten Nachbarschaftskomitees sind es diese Gesundheitsarbeiterinnen und -arbeiter, die die Ausgangssperren in jedem Stadtbezirk, jeder Straße und jedem Wohnblock umsetzen.


Während hier zum Teil harte Methoden zum Einsatz kommen, sind diese Menschen oft selbst harschen Bedingungen bei der Ausübung ihrer Pflichten ausgesetzt. Auch stehen sie an vorderster Front, wenn es zu Auseinandersetzungen mit Anwohnerinnen und Anwohnern kommt, die unter den Ausganssperren leiden und ihrer Unmut Luft machen.


Der hier übersetzte Erfahrungsbericht eines Gesundheitshelfers aus der Stadt Jilin beschreibt den annährend vierwöchigen Lockdown der Stadt aus der Sicht derjenigen, die die strikte Umsetzung von Lockdowns überhaupt erst ermöglichen.


Trotz aller Härten bei der praktischen Umsetzung der Ausgangssperre in der ihm zugewiesenen Wohnanlage scheinen bei Lü Meng keine Zweifel hinsichtlich der Angemessenheit der Strategie aufzukommen. Dennoch ist erkennbar, dass der Autor seine Aufgabe unter großer Aufopferungsbereitschaft ausführt und keine persönlichen Mühen scheut. Solidarität mit den Anwohnerinnen und Anwohnern scheint, wenn auch in sehr beschränktem Rahmen, durchaus Teil des Selbstverständnisses von Gesundheitshelfern wie Lü Meng zu sein. Menschliches und Unmenschliches verschränken sich in Lüs Text zur komplexen Realität der chinesischen Null-COVID-Strategie.



 

"Stadt im Lockdown: Corona-Tagebuch eines Gesundheitshelfers aus Jilin"

Essay von Lü Meng


Ein paar magere Katzen streunen außerhalb der Wohnanlage umher. Auf den leeren Straßen fallen sie besonders auf. Während des Lockdowns wird der Hausmüll der Bewohner verpackt und im Keller der Anlage gelagert. In den Mülltonnen befinden sich keine Essensreste mehr, die umliegenden Geschäfte sind geschlossen. Jeden Morgen auf dem Weg zum Dienst sehe ich sie. Manchmal geben wir Gesundheitsarbeiter und der diensthabende Arzt ihnen etwas zu essen, wenn wir in unserem 24-Stunden-Testwagen unterwegs sind. Mittlerweile kommen sie angelaufen, wann immer sie Menschen in weißer Schutzkleidung sehen.


Seit fast einem Monat bin ich vor Ort als Gesundheitsarbeiter im Einsatz. Gemeinsam die Katzen füttern zu gehen ist eine seltene Auszeit von der Hektik unseres Alltags.


Der erste Tag des Lockdowns war der 4. März. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich unterwegs war, die Ausrüstung zu organisieren, doch dann musste alles ganz schnell gehen. Um neun Uhr morgens sollten wir Gesundheitsmitarbeiter alle fertig getestet sein, ab zehn Uhr würden wir dann an unseren Stationen innerhalb des Wohnkomplexes benötigt, so die Anweisung. Mit dem Lockdown waren in unserer Wohnanlage zwei Checkpoints und drei PCR-Teststationen eingerichtet worden. Ich war an einem der beiden Checkpoints stationiert.


Anfangs gab es keinerlei Materialien. Alles was wir benötigten, haben wir uns vorübergehend aus der Wohnanlage entliehen. Vor Ort haben wir uns weiße Schutzanzüge angezogen und Masken- und Gesichtsschutz aufgesetzt. Die Schutzanzüge gibt es nur in Einheitsgröße, mit eingelassener Baumwollhose und Baumwollhemd. Ein hochgewachsener Kollege traute sich nicht, sich voll in dem Anzug auszustrecken oder in die Hocke zu gehen. Den ganzen Tag über arbeitete er leicht vornübergebeugt.


Während des ersten angesetzten Massentests am 4. März war ich für das Aufrufen der Anwohner zuständig. Ähnlich wie beim Zensus rufen Mitarbeiter die Anwohner einzeln per Telefon auf, zum Ausgang der Anlage zu kommen und registrieren sie dort. Wer telefonisch nicht erreichbar ist, wird über die Lautsprecheranlage ausgerufen.


Ich war für insgesamt sechs Wohnblöcke zuständig. Die Blöcke umkreisend rief ich die Namen der Anwohner über den Lautsprecher aus. Dann rannte ich nach oben und klopfte an die Türen derjenigen Bewohner, die noch nicht heruntergekommen waren. Nach einer Stunde des Rufens begann meine Stimme heißer zu werden. Ein Kollege sagte zu mir: „Warum nimmst du deine Ansage nicht mit dem Telefon auf und spielst sie über den Lautsprecher ab?“ Ich habe ihm keine weitere Beachtung geschenkt.


Unten an der PCR-Teststation hat sich eine 50 Meter lange Schlange gebildet. In der Kälte sieht man den Atem der Anwohner, wie er aus den Masken entweicht. An diesem Tag testen wir ununterbrochen von zehn Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Insgesamt testen wir 800 Menschen in der Wohnanlage.


An diesem Tag war ich volle zehn Stunden draußen unterwegs. Es ist Frühling im Nordosten. Während es morgens und abends empfindlich kalt ist, wird es in der Mittagssonne bereits heiß, sodass ich am ganzen Körper schwitze und der Schutzanzug an meiner Haut klebt. Sobald die Sonne untergeht, wird es wieder bitterkalt und man möchte die verschwitzte Kleidung tauschen, doch trotz aller Ungemach können wir unsere Schutzanzüge nicht ablegen.


Das Testpersonal ist noch schlimmer dran als wir Helfer. Wir können uns immerhin frei bewegen. Das Testpersonal hingegen sitzt 12 bis 15 Stunden am Tag in dem unbeheizten Pavillon, der uns als behelfsmäßiges Testzentrum dient. Am 15. März sinken die Temperaturen noch einmal und es gibt starken Schneefall. Tagsüber bewegt sich die Temperatur zwischen -14 und -5 Grad.

Eine Ärztin nimmt in der Teststation PCR-Abstriche. Sie trägt drei Lagen an Gummihandschuhen. Nach jedem Abstrich desinfiziert sie die äußere Lage der Handschuhe mit Alkohol, sodass diese gefriert und hart wird. Die Atemluft gefriert unter ihrer Maske.


Einige Bewohner der Anlage bringen aus ihren Wohnungen mit heißem Wasser gefüllte Flaschen, damit sich die Ärztin die Hände wärmen kann – was gar nicht so einfach gelingen will. Andere bringen uns Kissen, damit wir auch nach Sonnenuntergang im Dienst nicht frieren sollen.


Zu Anfang des Lockdowns wurden Ausweise an die Anwohner verteilt. Die Ausweise berechtigen jeweils eine Person pro Haushalt, die Anlage zwei bis drei Stunden pro Tag zum Einkaufen zu verlassen. Die anderen müssen auf dem Gelände bleiben. Einige gehen mit ihren Hunden innerhalb der Anlage Gassi. Auch ihnen sagen wir, dass sie ihre Wohnungen so wenig wie möglich verlassen sollen.


[…]


Die meisten Bewohner sind recht kooperativ, doch einige beschweren sich: „Ihr könnt frei kommen und gehen, aber wir nicht“, klagen sie. Wir haben Verständnis dafür. Dass man sich nach einer so langen Zeit des Eingeschlossenseins auch mal Luft machen muss, ist doch ganz normal.


In besonderen Fällen, zum Beispiel wenn jemand krank ist und Medikamente benötigt, setzen wir uns mit der Verwaltung der Wohnanlage in Verbindung. Stimmt diese zu, erlauben wir ihnen, die Anlage zu verlassen. Andere halten die Enge nicht mehr aus und drängen uns, sie herauszulassen. Hier sind Überredungskünste gefragt. Sind die Menschen im Guten nicht zu überzeugen, sprechen wir eine Abmahnung aus, und wenn auch das nichts nützt, müssen wir die Polizei rufen.


Am 23. März wird die Wohnanlage dann komplett abgeriegelt. Niemand kommt mehr heraus. Die Nervosität unter den Bewohnern steigt.


Wir Helfer müssen ab diesem Zeitpunkt ebenfalls bei unserer Einheit bleiben und dürfen nach unserem Dienst nicht mehr nach Hause gehen. Die Belegschaft hat sich von ursprünglich 100 auf 30 Personen verringert, da es auch in den Wohnanlagen vieler Helfer positive Corona-Fälle gibt, die dazu führen, dass alle Anwohner in Quarantäne müssen. Andere Helfer sind beordert worden, in Wohnanlagen in der Nähe ihres eigenen Wohnsitzes auszuhelfen. Die Personaldecke wird dünner und dünner, und meine Arbeit wird immer mehr.


Jeden Tag um sieben Uhr morgens bin ich im Lager unterwegs um Schutzkleidung, Masken und Handschuhe auszugeben sowie Instant-Nudeln und Snacks für die Helfer der Nachtschicht zuzuteilen. Die Schutzmaterialien gebe ich an die jeweiligen Teamleiter aus, die diese dann innerhalb ihres Teams verteilen. So vergeht der Vormittag.


Mittags muss ich mich um die Anlieferung von Essen kümmern. In der Anlage, in der ich im Dienst bin, gibt es drei Ausgabestellen. Jeden Tag werden ca. 50 Mahlzeiten geliefert. Bei der Anlieferung muss ich überprüfen, ob in den Ausgabestellen noch genügend Desinfektionsmittel vorhanden ist und diese, falls sie zur Neige gehen, für die Abendlieferung nachbestellen.


Nach der Auslieferung des Abendessen beginnt die Nachtschicht am Checkpoint. Jeder Checkpoint ist rund um die Uhr besetzt, ich bin für die Schicht von acht bis zwölf Uhr abends eingeteilt. Wenn ich nach meiner Schicht gegen ein oder zwei Uhr morgens in meine Einheit zurückkehre schlafe ich wie ein Stein. Ein Mal will ich mir nach einer Nachtschicht etwas Wasser warm machen. Ich schalte den Wasserkocher ein und setze mich daneben, um zu warten, bis das Wasser heiß ist. Im Morgengrauen wache ich neben dem Wasserkocher sitzend auf. Meine Kleidung vom Vorabend habe ich noch an. So verbringen wir Tag um Tag im Lockdown.


Von meiner Einheit führt eine etwa 10 Kilometer lange Straße zur Wohnanlage, in der ich im Dienst bin. Jedes Mal, wenn ich Essen ausliefere, sehe ich auf der Straße nur Polizeiautos und Krankenwagen. Es sind praktisch keine Menschen mehr auf der Straße, die Stadt ist wie ausgestorben. Die Kreuzung am Jiuzhong-Turm ist normalerweise der geschäftigste Punkt der ganzen Stadt. Für gewöhnlich ist die Kreuzung mi Autos verstopft, aber jetzt ist dort niemand mehr.


Auf den Straßen sieht man Feuerwehrautos, die Desinfektionsmittel versprühen. Die ganze Stadt ist mit dem Geruch von Desinfektionsmittel erfüllt. Es fühlt sich so an, als ob die ganze Stadt auf einmal erstarrt ist, wie in einem Hollywood-Film.


Frische Lebensmittel einkaufen ist nun die größte Herausforderung für die Anwohner meiner Anlage. Zu Beginn des Lockdowns konnten sie die Anlage noch zum Einkaufen verlassen, doch mittlerweile ist die Situation wirklich angespannt. Für Wohnanlagen mit bestätigten Corona-Fällen organisiert die Lokalregierung die Anlieferung von frischem Obst und Gemüse. In anderen Anlagen organisieren die Anwohner Gemeinschafsbestellungen über das Internet.


Seitdem der harte Lockdown verhängt wurde, dürfen nur noch Lebensmittelläden und Läden des täglichen Bedarfs öffnen. Alle Besorgungen müssen über Online-Gruppenkäufe getätigt werden, Offline-Einkäufe sind nicht mehr erlaubt. Die Gruppenkäufe werden vom Einzelhandel organisiert.


Über WeChat-Gruppen kann man sich für die Anlieferung von Gemüsetüten anmelden. Auf den Preis hat man keinen Einfluss, heute kostet eine Tüte 69 Yuan, morgen vielleicht 100. Auch den Inhalt kann man nicht beeinflussen. Manchmal weiß man, was in der Tüte drin ist, manchmal nicht. Es ist wie ein Überraschungsei.


Sobald neue Bestellungen freigegeben werden, stürzen sich die Leute wie verrückt darauf. Die meisten sind bei mindestens fünf oder sechs solcher WeChat-Bestellgruppen angemeldet, manche sogar bei mehr als 20. Nach wenigen Sekunden sind die Angebote ausgebucht, die Bestelllinks deaktiviert. Wer Glück hat, kann mehrere Bestellungen auf ein Mal aufgeben, wer Pech hat, erhascht keine einzige.


Die ergatterten Gemüsetüten werden vom Einzelhandel verschickt und am Eingang der Wohnanlagen von den freiwilligen Helfern entgegengenommen. Am Eingang jedes Wohnblocks wird ein Tisch aufgestellt, auf den Helfer die zuvor desinfizierten Gemüsetüten stellen. Dann werden die jeweiligen Anwohner benachrichtigt, nach unten zu kommen und sich ihre Tüte abzuholen.


Am 18. März wurde meine Dienststelle in eine andere Wohnanlage verlegt. Es ist eine alte Anlage aus den 90ger Jahren, in der viele ältere Menschen leben. Viele von ihnen sind nicht in der Lage, online Lebensmittel zu bestellen. Manchmal bestellen ihre Kinder für sie, und ab und zu liefern sich Leute aus verschiedenen Stadtteilen gegenseitig Essen. Es gibt auch einige ältere Menschen, die wirklich kein Essen haben. Für diese Menschen bestellen wir Gesundheitsarbeiter und freiwilligen Helfer Lebensmittel.


In der neuen Anlage wohnt auch ein alter Mann in seinen 70gern, der nierenkrank ist und regelmäßig zur Dialyse ins Krankenhaus muss. Er ist einer der wenigen Menschen, die die Anlage im harten Lockdown verlassen dürfen. Jedes Mal, wenn ich im Dienst bin, sehe ich ihn, wie er alleine mit seinem Elektroroller vom Krankenhaus zurückkommt.


Am Eingang kramt er seinen Passierschein aus der Hosentasche und entfaltet ihn gewissenhaft für uns zur Kontrolle. Als er uns in der Kälte draußen aufstampfen sieht, sagt er zu uns: „Kinder, den ganzen Tag draußen in der Kälte zu frieren ist sicher nicht leicht. Ihr könnt euch auf meine Kooperation verlassen.“ Ich entgegne: „Lassen Sie mich einfach den Passierschein sehen, das genügt schon, messen Sie Ihre Temperatur und ruhen Sie sich zu Hause aus.“


Der alten Herr ist ungefähr im Alter meines Vaters. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, muss ich an die Gesundheit meines Vaters denken. Er wird dieses Jahr 76, ist herzkrank und leidet an Diabetes. Ich habe ihm gesagt, er soll ins Krankenhaus gehen und sich untersuchen lassen. Zur Not gehe ich mit ihm gemeinsam dort in Quarantäne. Doch er denkt an meine Arbeit und hält bis jetzt durch.


Ich rufe ihn jeden Tag an, um ihn nach seiner Gesundheit zu fragen, ob es zu Hause genug zu essen gibt und ob es an Medikamenten mangelt, doch mein Vater sagt nur: „Ich passe schon auf mich selbst auf. Und wenn es wirklich nicht mehr geht, rufe ich den Notdienst.“


Am Tag vor dem harten Lockdown war ich das letzte Mal bei meinen Eltern und habe ihnen Medikamente und frische Lebensmittel mitgebracht. Meine Eltern wohnen im zweiten Stock, doch ich bin nicht nach oben gegangen, sondern habe die Medikamente und Lebensmittel auf dem Tisch neben dem Eingang abgestellt. Mein Vater konnte nicht aus dem Bett aufstehen, doch meine Mutter hat sich mit mir vom Balkon aus unterhalten. Die alte Nachbarin von nebenan hörte alles mit und blickte von ihrem Balkon auf mich herab. Nach fünf Minuten bin ich gegangen, niedergeschlagen.


Seit einem Monat sind wir jetzt im Lockdown. „Wann können wir endlich wieder rausgehen“, fragen uns die Anwohner immer wieder. Die Antwort auf diese Frage möchten auch wir Gesundheitshelfer gerne wissen.


[…]


Manchmal unterhalten wir uns unter Kollegen, was wir tun wollen, wenn der Lockdown endlich vorbei ist. Hier im Nordosten sind wir alle ganz versessen auf Barbecue. „Wenn alles vorbei ist werden wir uns gegrillte Lammspieße bestellen, so viele, dass wir nur die Hälfte essen können“, sagt mein Kollege und strahlt. Es fühlt sich an, als würden wir alle halluzinieren.



 

[1] 吕萌, 在吉林,一个社区「大白」的30天记录, veröffentlicht online am 07.04.2022 auf der Reportage-Seite Perpetual Light Studio (极昼工作室) unter https://mp.weixin.qq.com/s/pNB1HM4tKXFSJN6nZGLYLQ


[2] John Hopkins University, Coronavirus Resource Center, aufgerufen am 10.04.2022 unter https://coronavirus.jhu.edu/region/china