• Michaela Boehme

Chinas Ernährungssicherheit im Kontext des Ukraine-Kriegs

Aktualisiert: 6. Mai


Bauern bei der Ernte in der Provinz Jiangsu
© Chinanews.com | Bauern bei der Ernte in der Provinz Jiangsu

 

Zhang Hongyu: Wie sollten bevölkerungsreiche Länder auf die globale Nahrungsmittelkrise reagieren? [1]

Übersetzt von Michaela Böhme

 

Anmerkungen zum Text


Der Konflikt in der Ukraine hat zur Unterbrechung von Lieferketten geführt und lässt die Nahrungsmittelpreise weltweit in die Höhe schnellen. Besonders von Getreideimporten abhängige Länder des globalen Südens werden von den rasant steigenden Preisen unter Druck gesetzt. Mittlerweile sind sich die meisten Experten einig, dass eine weltweite Nahrungskrise bevorsteht, die jene von 2007/8 möglicherweise sogar in den Schatten stellen wird.


Auch unter chinesischen Agrarökonomen und -politikern sind die Auswirkungen des Kriegs auf Agrarproduktion und -handel ein viel diskutiertes Thema. Historische Erfahrungen mit Hungersnöten wie zuletzt beim „Großen Sprung nach vorn“ (1958-1961) sind der Grund dafür, dass die Ernährungssicherheit bei der chinesischen Staatsführung auch heute noch eine herausragende Bedeutung einnimmt. Ertragssteigerungen durch eine „Modernisierungskampagne“ der Landwirtschaft und ein möglichst hohes Maß an Eigenversorgung sollen die politische Urangst vor Lebensmittelknappheit dämpfen, doch auch auf den Agrifood-Weltmärkten spielt China als einer der größten Importeure eine zunehmend wichtige Rolle.


Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass chinesische Experten die nahrungsbezogenen Folgen des Kriegs in der Ukraine aufs Genauste beobachten. Im nachfolgenden Interview spricht Zhang Honyu, Vizepräsident des China Institute for Rural Studies an der Tsinghua Universität mit der staatlichen Nachrichtenagentur China News Service. Zhang beschäftigt sich vor allem mit Fragen der ländlichen Entwicklung Chinas und ist neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als Regierungsberater tätig.


Wie viele Stimmen in China hält Zhang die Auswirkungen der Krise auf Chinas Ernährungssicherheit für relativ gering. Ein trotz steigender Agrarimporte hoher Selbstversorgungsgrad – vor allem im Hinblick auf Getreide – bedeute, dass die Lebensmittelpreise in China weitestgehend unter Kontrolle seien, so Zhang. In der Tat sind die Lebensmittelpreise in China in den letzten Monaten weit weniger schnell gestiegen als in anderen Ländern. Im März 2022 verzeichnete China sogar einen Rückgang der Preise für Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke um -0,3 Prozent, wohingegen in Deutschland die Preise im selben Zeitraum um 5,9 Prozent anzogen und im von ukrainischen Getreideimporten abhängigen Ägypten gar um 14 Prozent [2].


Für die Zukunft sollte die chinesische Führung auch weiterhin auf einen ausgewogenen Mix an vorausschauender Agrarpolitik, technologischem Fortschritt und globalem Handel setzten, empfiehlt der Experte – ein Fortschreiben also des bisherigen Erfolgsrezepts aus staatlicher Regulierung und dem Nutzen von Marktmechanismen.


Zhangs Narrativ steht damit im Gegensatz zum Standpunkt westlicher Medien, die nicht nur massive Herausforderungen für Chinas Ernährungssicherheit vorhersagen, sondern chinesische Agrarimporte und die auf hohe Lagerbestände setzende Agrarpolitik Chinas indirekt für ein Anheizen der globalen Nahrungsmittelkrise verantwortlich machen.


Aller widerstreitender Ansichten zum Trotz scheint eins sicher: Die Krise wird die chinesische Führung darin bestärken, Ernährungssicherung und einen hohen Grad an Selbstversorgung als Grundpfeiler der chinesischen Agrarpolitik zu betrachten.


 

"Wie sollten bevölkerungsreiche Länder auf die globale Nahrungsmittelkrise reagieren?"

Interview mit Zhang Hongyu


China News Service: Auf welche Weise verschärft der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine die weltweite Nahrungsmittelkrise? Wie treibt der Konflikt die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe und welche Auswirkungen wird er auf die globale Lebensmittelversorgung haben?


Zhang Hongyu: Russland und die Ukraine gehören zu den wichtigsten Getreideproduzenten und -lieferanten der Welt. Entsprechend einschlägiger Statistiken liefern Russland und die Ukraine 19 Prozent der weltweiten Gerste-, 14 Prozent der Weizen- und 4 Prozent der Maisproduktion, was 25 Prozent der weltweiten Getreideversorgung entspricht. Russland ist auch ein wichtiger internationaler Düngemittelproduzent und -exporteur, was sich auf den Weltmarktpreis landwirtschaftlicher Inputs auswirkt.


Die Corona-Pandemie hat die globale Lebensmittelversorgung bereits stark beeinträchtigt. Seit Juni 2020 sehen wir heftige Schwankungen und Steigerungen bei den globalen Lebensmittelpreisen: im Februar 2022 erreichten die Preise ein Allzeithoch. Der russisch-ukrainische Konflikt hat den Druck auf die Weltagrarmärkte noch verstärkt, mit katastrophalen Auswirkungen. Unterbrechungen der Lieferketten haben sich auf die globalen Lebensmittelpreise ausgewirkt und diese noch weitere in die Höhe getrieben. Die durch den Konflikt verursachte Nahrungsmittelkrise hat einige ärmere Länder an den Rand der Belastbarkeit gebracht und die globale Hungerkrise verschärft. Nahrungsmittel sind die Grundlage wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Probleme in der Nahrungsmittelversorgung übertragen sich auf alle gesellschaftlichen Ebenen, mit negativen Auswirkungen auf die globale wirtschaftliche und politische Situation.


China News Service: Laut einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnten die internationalen Nahrungs- und Futtermittelpreise aufgrund des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine um bis zu 22 Prozent steigen und zu einem Anstieg der Zahl unterernährter Menschen in den Entwicklungsländern führen. Welche Länder sind Ihrer Beobachtung nach am stärksten durch den russisch-ukrainischen Konflikt bedroht? Wie sollten wir reagieren?


Zhang Hongyu: Derzeit leiden auf der Welt zwischen 700 und 800 Millionen Menschen an Hunger bzw. Unterernährung, hauptsächlich in den Ländern der südlichen Hemisphäre, wie z. B. in Afrika. Diese Länder haben begrenzte natürliche Ressourcen, ein niedriges wirtschaftliches Entwicklungsniveau und sind hinsichtlich ihrer Agrarwissenschaft und -technologien extrem rückständig. Sie leiden an einem inhärenten Mangel an landwirtschaftlicher Produktionskapazität und an einem ernsthaften Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.


Der russisch-ukrainische Konflikt hat den Anstieg der Nahrungsmittelpreise noch verschärft. In Verbindung mit der Schwächung der Transportkapazität aufgrund steigender Energiekosten wird die Kaufkraft von Nahrungsmitteln in Ländern und bei Gruppen mit niedrigem Einkommen stark sinken. Eine Verschärfung des weltweiten Hungers und eine Ausweitung der Armutskrise sind die absehbaren Folgen.


Angesichts des unvorhersehbaren internationalen Umfelds haben einige Länder zudem damit begonnen, ihre Bestände an Nahrungsmittelreserven zu vergrößern [3], wodurch das Ungleichgewicht bei der globalen Nahrungsmittelversorgung noch weiter verschärft wird.

Angesichts dieser Situation müssen wir jetzt vor allem die globalen Ungleichheiten bei der Getreideproduktivität und landwirtschaftlichen Versorgungskapazität angehen. Vor allem Entwicklungsländern sollte dabei geholfen werden, durch moderne Technologie ihre landwirtschaftliche Produktionskapazität zu steigern. Eine verbesserte internationale Zusammenarbeit könnte dabei helfen, Reibungspunkte im weltweiten Agrarhandel abzubauen.


China News Service: In letzter Zeit sind auch in China die Preise für Weizen, Sojabohnen und Mais gestiegen. Wie ist es um Chinas Ernährungssicherheit bestellt?


Zhang Hongyu: Chinas Getreideproduktion ist stabil und das Angebot reicht aus, um die Nachfrage zu decken. Man kann tatsächlich sagen, dass China bei der Getreideversorgung für den menschlichen Verbrauch in großem Maße autark ist. 2021 betrug Chinas Getreideernte 683 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die absolute Nachfrage nach Getreide trotz des Wachstums der Bevölkerung stark zurückgegangen.


Die Corona-Pandemie und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben in letzter Zeit zu starken Preisschwankungen bei Weizen, Sojabohnen und Mais geführt, doch insgesamt gesehen sind Chinas Lebensmittelpreise unter Kontrolle.


Gleichzeitig ist jedoch zu beobachten, dass China bei anderen Agrarprodukten, vor allem bei landintensiven Produkten, zunehmend vom Ausland abhängig ist. Im vergangenen Jahr erreichten Chinas Getreide- und Ölsaatimporte ein Allzeithoch von 162 Millionen Tonnen, der größte davon waren Sojabohnen, die als Futtermittel in der Fleischindustrie benötigt werden. Rechnet man die Nachfrage an Futtermitteln wie Sojabohnen mit ein, muss China 19 Prozent seines Bedarfs an Getreide und Ölsaaten vom Weltmarkt importieren. Auch Direktimporte von Fleischprodukten machen mittlerweile 9 Prozent des inländischen Bedarfs aus.


Wir müssen daher Chinas Strategie der Ernährungssicherung grundsätzlich neu überdenken. Um den aktuellen Umständen Rechnung zu tragen, müssen wir uns fortbewegen von einem Konzept der Ernährungssicherung, dass auf die Getreideproduktion fokussiert ist hin zu einem Konzept, dass alle landwirtschaftlichen Produkte, auch Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse mit in den Blick nimmt. Nur so können wir sicherstellen, dass wir einen hohen Grad an Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln beibehalten können.


China News Service: Trotz seiner großen Bevölkerung liegt China mit einer jährlichen Getreideproduktionsrate von 470 Kilogramm pro Kopf deutlich über der internationalen Ernährungssicherheitslinie von 400 Kilogramm. Auf welche Konzepte und Maßnahmen greift die chinesisch Agrarpolitik zurück, um die Ernährungssicherung des Landes zu gewährleisten?


Zhang Hongyu: Historisch betrachtet war China seit Jahrtausenden eine bäuerliche Landwirtschaft. Die Ernährungssicherung wurde hier immer als Eckpfeiler der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung betrachtet. Dies spiegelt sich auch in kulturellen Wertevorstellungen wieder, die die Landwirtschaft als die Grundlage aller Industrie betrachten oder einen sparsamen Umgang mit Lebensmitteln anmahnen, aber auch in unserem historisch geprägten Verständnis von Getreidesicherheit.


Chinas Verhältnis zur Ernährungssicherung hat seine eigenen Charakteristiken, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten mit anderen bevölkerungsreichen Ländern, allen voran der Wunsch nach einer weitgehend autarken Lebensmittelversorgung. Alle mächtigen Länder der Welt sind in der Lage, sich weitestgehend selbst zu versorgen. So sind zum Beispiel die USA der größte Getreideexporteur der Welt. Und auch Agrargiganten wie Russland, Kanada und die EU verfügen über eine starke Landwirtschaft und gesicherte Ernährung.


Gegenwärtig ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt, und obwohl sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt hat, wird der Konsum von Fleisch und anderen hochwertigen Lebensmitteln aufgrund der verbesserten Lebensstandards, der Umstellung hin zu einer modernen Ernährungsweise und der beschleunigten Urbanisierung auch in den kommenden Jahren immer weiter zunehmen. Auch die landwirtschaftlichen Produktionskosten werden weiterhin steigen. Vor diesem Hintergrund hat die chinesische Regierung der Ernährungssicherung einen höheren Stellenwert eingeräumt. Die gesicherte Versorgung mit Nahrungsmitteln hat für die politische Führung oberste Priorität.


China News Service: Was muss China tun, um angesichts der volatilen globalen Lebensmittelpreise der letzten Jahren und des jüngsten Konflikts zwischen Russland und der Ukraine seine Ernährungssicherung gewährleisten zu können?


Zhang Hongyu: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat enorme Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittelversorgung und hat auch in China Alarm geschlagen. Angesichts der schwierigen Situation stand die Versorgung mit Primärprodukten bei der Zentralen Arbeitskonferenz zur Wirtschaft [4] im Ende letzten Jahres im Vordergrund der Überlegungen. Fragen der Existenzsicherung stehen nun vermehrt im Mittelpunkt von Chinas Wirtschaftsplanung.


Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, einer turbulenten Weltwirtschaft und einer komplexen Weltlage sollte China seine Eigenständigkeit bei der Nahrungsversorgung stärken. Ziel sollte es sein, mit Hilfe der eigenen Ressourcen die interne Nachfrage zu decken. Dabei spielen sechs Aspekte eine Rolle.


Zum einen müssen wir uns auf die Quantität und Qualität unserer eigenen landwirtschaftlichen Ressourcen, besonders das Ackerland, fokussieren. Das Einhalten der „roten Linie“ [5] von 120 Millionen Hektar Ackerland muss oberste Priorität sein. Zeitgleich muss China die Qualität seiner Böden, besonders auch der Schwarzerdeböden im Nordosten Chinas verbessern und das Problem der salz- und alkalihaltigen Böden angehen.


Zweitens müssen wir unser Bewirtschaftungssystem stärken. Dazu sollte der Staat den Bauern weiterhin langfristige Pachtverträge anbieten [6], die Flächenproduktion fördern und die „Trennung von Landrechten“ [7] stärker in der Praxis umsetzen.


Drittens müssen wir auf Technologie setzen. Moderne Gerätetechnik, Landmaschinen und grüne Technologien können uns dabei helfen, die Erträge pro Hektar Land zu erhöhen; Biotechnologie kann uns dabei helfen, unsere eigene Saatgutindustrie zu stärken und den Selbstversorgungsgrad an Sojabohnen bei stabil hohen Maiserträgen zu erhöhen.


Der vierte Aspekt ist die Agrarpolitik. Die Politik muss sicherstellen, dass die Bauern ein angemessenes Einkommen beziehen, während durch Subventionen und Preispolitik steigende Kosten für Inputs und Produktion ausgeglichen werden müssen. Die Ausweitung der Agrarversicherung sollte finanziellen Vorrang genießen.


Fünftens spielen Betriebsformen eine große Rolle. Genossenschaften, bäuerliche Familienbetriebe und große Landwirtschaftsbetriebe helfen dabei, den Grad der Intensivierung und Skalierung zu erhöhen sowie regionale Lieferketten zu stärken.


Und sechstens dürfen wir den Welthandel nicht vergessen. Unabhängig von der weltpolitischen Lage, ist es wichtig, dass sich China weiterhin der Außenwelt öffnet, um mit der Zeit schritthaltend seine Handelsmethoden zu transformieren, weltweit führende Agrarunternehmen zu kultivieren und somit schlussendlich seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.


 

[1] 张红宇:全球粮食危机,人口大国如何应对?, veröffentlicht online am 14.04.2022 auf dem WeChat-Account des Agricultural Research Institutes der Tsinghua Universität (清华农研院) unter https://mp.weixin.qq.com/s/ON1eXu3QeNWOib2c-Qm0QA


[2] countryeconomy, aufgerufen am 02.05.2022 unter https://countryeconomy.com/cpi


[3] Schätzungen des US Department of Agriculture (USDA) zufolge werden die weltweiten Lagerbestände von Getreide im Wirtschaftsjahr 2021/22 von 612 Millionen Tonnen auf 610 Millionen Tonnen zurückgehen. Den größten Teil davon hält China, dass seine Bestände laut USDA von 352 auf 353 Millionen Tonnen ausbauen wird. Durch das "Bunkern" von Getreide, so ließt man oft in westlichen Medien, würde China die schwierige Lage auf den Weltmärkten zusätzlich anheizen und zur Nahrungsunsicherheit importabhängiger Länder beitragen. Chinas Staatsmedien hingegen verweisen auf die traditionelle Rolle von Reserven bei der agrarpolitischen Steuerung von Angebot und Nachfrage sowie auf die Rolle von Importen im Rahmen bilateraler Handelsabkommen wie zum Beispiel den US-China Trade Deal Phase 1, der China unter anderem verpflichtet, seine Importe von US-amerikanischen Agrargütern zu steigern.


[4] Die Zentrale Arbeitskonferenz zur Wirtschaft (CEWC) findet jedes Jahr im Dezember statt und setzt wirtschaftliche Prioritäten und Zielvorgaben für das kommende Jahr. Bei der CEWC 2021 stand unter anderem die Sicherung der Versorgung mit Energie, Rohstoffen und landwirtschaftlichen Primärprodukten im Vordergrund.


[5] Um begrenzten Ackerboden vor der Konvertierung in Bauland oder anderen nicht-landwirtschaftlichen Nutzungsarten zu schützen, wurde 2007 von der Zentralregierung eine rote Linie von 120 Millionen Hektar an Ackerland eingeführt, die als absolutes Minimum für die Eigenversorgung gilt. Zwar bewegt sich China laut eines im September 2021 erschienenen Bodenzensuses noch knapp oberhalb der roten Linie, doch sind viele der verbleibenden Ackerböden von Umweltverschmutzung und Schadstoffen bedroht.


[6] Alles Land in China gehört dem Staat; Privatbesitz von Land ist nicht erlaubt. Im Rahmen des Haushalts-Verantwortungssystems bewirtschaften Chinas Bauern ihr Land seit 1978 im Rahmen langfristiger, staatlicher Pachtverträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren. 2019 wurden die Verträge auf Beschluss der Staatsführung um weitere 30 Jahre verlängert.


[7] Rechte an Ackerboden sind in China dreigeteilt: Während die Eigentumsrechte beim Staat liegen, verfügt die ländliche Bevölkerung sowohl über Pachtrechte (sprich, das Recht auf einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Staat) und Managementrechte (d.h. das Recht, das Land zu bewirtschaften). Mangementrechte können wiederum von Bauern an Dritte übertragen werden, zum Beispiel im Falle von Arbeitsmigration in die Städte, wo in vielen Fällen ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb die Bewirtschaftung der Felder übernimmt. Dieses komplexe Arrangement ermöglicht es China, die landwirtschaftlichen Anbauflächen Stück für Stück zu erweitern bei gleichzeitiger Beibehaltung des staatlichen Eigentumsrechts und des Pachtrechts ländlicher Bewohner.